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Stillmythen

Fast alle Mamas und auch manche Papas kennen sie.. Egal, ob sie selbst gestillt haben oder nicht, die Mythen rund um das Stillen kennt man und die halten sich leider schon ewig in unserer Gesellschaft…

Ich möchte mal so manche nennen, die mir einfallen und das sind bestimmt bei weitem nicht alle… Ihr könnt gerne kommentieren, wenn euch noch mehr einfallen.

⁃ „Als stillende muss auf blähende Lebensmittel verzichten und darf keinen Orangensaft trinken.“

Das ist nicht richtig, die Muttermilch wird aus dem Blut gebildet und nicht aus dem Mageninhalt, also müsste man theoretisch auf nix verzichten, außer Alkohol und Drogen. Manche Frauen beobachten trotzdem bei ihren Kindern Bauchschmerzen, wenn sie bestimmte Lebensmittel essen, jedoch ist dies nicht belegbar.

⁃ „Im Sommer muss man Wasser oder Tee zusätzlich geben.“

Nein, kein Baby braucht zusätzliche Flüssigkeit, ein gestilltes Kind kann mit seinem Speichel die Bestellung aufgeben, die es braucht. Es wird durch die Milch satt, aber auch der Durst kann rein nur durch die Milch gelöscht werden. Manche Babys wollen im Sommer häufiger stillen, weil sie Durst haben, das ist aber kein Zeichen davon, dass die Milch nicht ausreicht.

⁃ „Wenn die Brust weich wird, ist zu wenig Milch da.“

Unsinn, die Brust ist am Anfang gefüllter, sie wird mit der Zeit weicher, weil sie sich auf den Bedarf des Babys eingestellt hat.

⁃ „Das Kind trinkt so oft, weil es nicht satt wird.“

Für häufiges Trinken kann es so viele Gründe geben, doch in den seltensten Fällen ist es der Grund, dass ein Baby nicht satt wird. Wahrscheinlichere Gründe sind Entwicklungsschübe, Unruhe, Suche nach Nähe, Verarbeitung vom Alltag, Trost oder Schmerzen.

⁃ „Mit der Flasche schläft das Baby schneller durch.“

Auch hierfür gibt es keine Belege, manche Kinder schlafen einfach schneller durch als andere. Es soll an der Hirnreife der Kinder liegen. Meine Mädels haben zum Beispiel ungefähr gleich durchgeschlafen, die Große mit 14 Wochen (sie wurde 12 Wochen gestillt und hatte danach die Flasche), die Kleine mit 12 Wochen (vollgestillt).

⁃ „Stillen verursacht hängende Brüste.“

Die hängenden Brüste kommen durch das schlechte Bindegewebe und eher durch das Wachstum in der Schwangerschaft als beim Stillen.

⁃ „Die Trinkmenge der Mama beeinflusst die Milch Menge.“

Man sagt als stillende Mama sollte man mehr trinken, aber zu trinken, wenn man Durst hat reicht vollkommen aus, manche haben mehr, manche weniger Durst. Der Milchmenge schadet beides nicht.

⁃ „Unverdaute Milch darf nicht auf verdaute Milch (Stillabstand von mind. 2 std. muss sein)“

Ein Baby kann ganz nach Bedarf gestillt werden, das heißt immer wenn das Baby hungrig : durstig ist sollte es gestillt werden, sie bekommen auch keine Bauchschmerzen davon. Zeitabstände zu erzwingen ist nicht sinnvoll.

⁃ „Wenn man anfängt zu arbeiten, muss man abstillen.“

Das ist Unsinn, natürlich kann man weiterhin stillen, wenn man zuhause ist kann man weiter nach Bedarf stillen und wenn man arbeitet kann und der Partner zuhause (oder die betreuende Person) abgepumpte Milch geben, am sinnvollsten stillfreundlich, um eine Saugverwirrung zu verhindern. Ich arbeite zb. Seit Monsterbaby 10 Monate alt ist wieder (nicht Vollzeit) und stille sie noch heute (19monate). Wenn ich zuhause bin nach Bedarf und wenn sie bei der Tagesmutter oder bei meinem Mann zuhause ist, isst sie sich satt und schläft auch ihren Probleme ohne mich ein.

– „Wenn das Kind in den Kindergarten / zur Tagesmutter geht muss man abstillen.“

Nein! Kinder können weiterhin gestillt werden, sie verstehen den Unterschied zwischen zuhause und nicht zuhause und werden auch in der Betreuung zum Beispiel ohne das Einschlafstillen einschlafen können. Ich persönlich würde ihnen auch in dem Stress, den sie durch die Eingewöhnung haben, nicht noch mehr Stress durch Abstillen machen und ihnen das Stillen als Sicherheit und zur Beruhigung lassen.

⁃ „Beim abpumpen kommt kaum Milch raus, also habe ich keine Milch mehr.“

Falsch! Die abgepumpte Menge sagt überhaupt nichts über die Stillfähigkeit aus. Ein Baby zu stillen schüttet Glückshormone aus, das kann man beim abpumpen nicht erreichen.

⁃ „Das Baby muss die Brust leer trinken.“

Das ist unmöglich, denn die Brust produziert beim stillen die Milch immer wieder nach. Die Nachfrage regelt hier auch das Angebot, je mehr ein Kind stillt, desto mehr produziert die Brust. Leer trinken geht also nicht, da immer wieder nach produziert wird.

⁃ „Das Baby muss immer an beiden Brüste trinken.“

Nein. Das Baby kann an beiden trinken, muss es aber nicht. Am Anfang, direkt nach der Geburt empfehlen viele, dass man das Baby an beiden Seiten anlegt pro Stillmahlzeit, rein um die Milchproduktion anzukurbeln. Wenn es dem Baby genügt an einer Seite zu trinken und es dann satt ist, ist das ok, dann kann man beim nächsten mal die andere Seite nehmen.

⁃ „Wenn das Kind zu essen anfängt, muss man abstillen.“

Das ist nicht wahr. Nur weil das Baby Brei oder feste Nahrung (BLW) zu sich nimmt sollte man nicht abstillen. Das Hauptnahrungsmittel im ersten Lebensjahr sollte immer Milch sein, ob Muttermilch oder Pre Nahrung, alles weitere ist BEI – Kost.

⁃ „Nach 4 Monaten muss das Baby Beikost bekommen, weil die Milch zu dünn / zu nährstoffarm ist.“

Die Muttermilch ist (bei ausreichender, ausgewogener Ernährung) nie zu nährstoffarm. Die WHO (Weltgesundheitsorganisation) empfiehlt ein Baby 6 Monate voll zu stillen und danach mit der Beikost anzufangen. Ebenso ist die Empfehlung bis zum zweiten Lebensjahr und darüber hinaus weiter nach Bedarf zu stillen. Das natürliche Abstillalter liegt übrigens bei 2-7 Jahren.

⁃ „Wenn die Mama krank ist darf sie nicht stillen.“

Falsch! Die Mama gibt durch die Milch Abwehrstoffe an das Kind weiter, bis die Mama ihre Krankheit (zB. Erkältung / Magen Darm Infekt) merkt, kann das Kind eh schon angesteckt sein, dann ist stillen die beste Medizin. Ebenso, wenn das Baby krank ist, dann weiter stillen und das Baby damit wieder beim Genesungsprozess unterstützen.

⁃ „Wenn man operiert wird / Medikamente nimmt muss man abstillen.“

Nein, es gibt in der Regel immer eine stillfreundliche Alternative, ein stillfreundliches Narkosemittel bei einer OP und auch bei den meisten Medikamenten gibt es Alternativen. Bei Embryotox können sich Ärzte beraten lassen, es gibt zudem auch eine App, bei der man als Schwangere / Stillende selbst recherchieren kann. Eine Auskunft als stillende bekommt man bei Embryotox leider nicht mehr, aber dafür bei Reprotox. Es ist sogar kostenlos, jedoch wird um eine Spende gebeten, da sich die Beratung rein aus den Spenden finanziert.

⁃ „Wenn man schwanger wird, darf man nicht weiter stillen.“

Man darf weiter stillen, wenn man erneut schwanger wird. Bei manchen Frauen wird die Milch leider weniger oder das Kind stillt sich von alleine ab, manche Kinder stillen trocken weiter, falls die Milch ganz zurück geht aufgrund der Hormonveränderung, aber in der Regel ist es möglich weiter zu stillen und auch nach der Geburt des Kindes dann beide Kinder gleichzeitig (tandem) zu stillen.

⁃ „Durch Stillen kann man verhüten.“

Stillen ist kein Verhütungsmittel, am Anfang kann durch die vielen Stillintervalle der Körper ausgetrickst werden, jedoch ist es kein sicheres Verhütungsmittel.

⁃ „Frauen die rauchen, sollen nicht stillen.“

Auch rauchende Frauen sollten stillen, denn die Vorteile sind hier größer als die Nachteile. Ja, es ist ein heikles Thema, aber es gibt einige Studien dazu, dass es sinnvoller ist zu stillen, wenn man schon raucht.

⁃ „Mit kleinen Brüsten kann man nicht stillen.“

Die große der Brüste hat absolut keinen Einfluss auf die Milchmenge oder die Möglichkeit zu stillen, egal ob sehr klein oder sehr groß alles ist möglich.

Und zu guter letzt:

⁃ „Wer nicht stillt, ist eine schlechte Mutter.“

Das stimmt natürlich auch nicht!! Jede Mutter hat ihre Gründe warum sie stillt, aber auch warum sie nicht stillt! Die einen wollen nicht, die anderen können nicht, wieder andere haben andere Gründe… Auch mit Flasche ist man keine schlechte Mama! Auch mit Flasche bekommen die Babys Liebe und Nähe und werden nicht schlechter behandelt.

Warum es mir wichtig ist mit diesen Mythen aufzuräumen? Ich selbst habe mich als Erstlingsmama verrückt machen lassen und habe meine große Tochter angefangen zu zufüttern mit 12 Wochen, dann kamen wir in die Zufütterungsfalle und ruck zuck war die Flasche da und die Brust weg… Ich ärgere mich heute noch darüber, dass ich mich von anderen so bequatschen lassen habe, vielleicht hätte ich sie sonst mit der kleineren Schwester Tandem stillen können von Anfang an. Bei der Kleinen habe ich mich komplett auf meinen Instinkt verlassen und hab die anderen reden lassen. Ich stille sie mit 19 Monaten immer noch ganz nach Bedarf und noch ist kein Ende in Sicht.

Also Mamas seid stark für euch und euer Baby und verlasst euch auf euren Instinkt und bei Problemen sucht euch eine ausgebildete Stillberaterin oder Hebamme mit tollen Tipps, die meisten Kinderärzte sind leider über das Stillen und die Beikost nicht ausreichend genug ausgebildet.

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