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Comeback – wir sind wieder da…

Es war ewig still um uns.. Nun melde ich mich mit neuer Kraft zurück.

Es ist verdammt viel passiert in der Zwischenzeit…

Ich versuche es mal zusammen zu fassen, Höhen und Tiefen… Kurz wird es allerdings nicht, ich hab es versucht.. *sorry*

Im August 2019 habe ich mich von meinem Mann getrennt, warum spielt mittlerweile keine Rolle mehr, es gab verschiedene relevante Gründe, die es für mich nicht mehr möglich machten diese Ehe weiter zu führen. Es lief danach anfangs normal, er holte die MonsterMädels typischerweise jedes zweite Wochenende, dann leider plötzlich 13 Wochen gar nicht mehr, weil ich ihn nicht zurück nahm… Die Kids waren traurig und verwirrt.

Im Februar änderte er zum Glück seine Meinung wieder und verbrachte wieder jedes zweite, teilweise sogar jedes Wochenende mit ihnen, was uns alle sehr freute und zu einer guten Basis zwischen uns allen führte.

Seit Ende Dezember war ich krank geschrieben, es war alles einfach zu viel.. Der Stress auf der Arbeit, ständig neuer Druck und neue unmögliche Forderungen (alleinerziehend ab 6 Uhr oder bis 21:30 Uhr arbeiten), der Stress mit ihm, die zwei Kleinkinder, die die Welt nicht mehr verstanden.. Ich musste sogar anfangen Antidepressiva zu nehmen (die ich aber mittlerweile zum Glück wieder absetzen konnte)

Im April wechselte ich spontan meinen Arbeitgeber, was mir nervlich echt gut tat. Es ging langsam alles bergauf.

Mein Ex und ich verstanden uns wieder ganz gut und konnten wieder normal miteinander reden, halfen uns sogar immer mal wieder bei dem ein oder anderen Termin mit den Kids. Es lief echt gut.

Und dann kam alles anders…

Er hat am 12.06. die Kids geholt und wie gewohnt am 14.06. wieder gebracht… Das sollte der letzte Tag sein an dem sie ihren Papa sehen, nur wussten wir das da alle noch nicht…

Er klagte über Halsschmerzen, ich hab ihn noch mit Medikamenten versorgt und gebeten zum Arzt zu gehen… Ich kenne ihn ja, zum Arzt gehen gehört nicht gerade zu seinen Stärken… Dienstags beendete sein Chef seine Tour vormittags schon und schickte ihn zum Glück zum Arzt (vielen Dank nochmal) ansonsten wäre er vermutlich in der Nacht noch zuhause im Schlaf erstickt…

Er erzählte mir, er muss zum Hausarzt wegen seinen Halsschmerzen, natürlich gleich Verdacht auf Covid lt. Telefon, der Arzt untersuchte ihn und schickte ihn direkt zum Facharzt, der wiederum direkt weiter in die Uni. Sofort OP am gleichen Tag noch angesagt. Ein großer Abszess im Hals, an den Mandeln, der auf die Luftröhre drückte… Ich wünschte ihm noch alles Gute und bat ihn sich zu melden, wenn er wach ist…

Ich wartete und wartete… Auf meine Nachrichten antwortete er nicht. Zuletzt online Dienstag 21 Uhr irgendwas, mittlerweile war es Donnerstag…

Und dann kam der Anruf… Intensivstation…

Sie sind der Notfallkontakt von Dominik M. „Ja?“

Ihr Mann liegt im künstlichen Koma… Mandeln entfernt, Schwellung zu stark.. Atemunterstützung durch Nasensonde..

-Schockzustand-

Ich telefonierte die Familie ab, informierte alle…

Bis zu dem Besuchstermin war es gefühlt ewig, sie baten mich nämlich bis montags zu warten, da dank Corona ja eh alles eingeschränkt war.

Sonntags morgens wurde ich aus dem Schlaf gerissen…

Wieder Intensivstation… Ich ging ran.

„Mayr, was ist passiert?“

„Ich muss sie über die Vorfälle heute Nacht informieren… Sauerstoffschlauch verrutscht, keine ausreichende Sauerstoffversorgung, Reanimation, Tracheostoma gelegt…“

Wie jetzt? Die Worte flogen im Kopf rum, aber in solchen Momenten funktioniert mein Hirn nur, das Denken und Verarbeiten kommt meist erst danach, zum Glück. Ich habe alles mit ihr besprochen und ausgemacht, dass ich mich mittags nochmal melde, nach den neuesten Tests..

Ok, Gespräch nochmal durchgehen… 12 Minuten Reanimation, mindestens 20-25 Minuten ohne ausreichend Sauerstoff. FUCK! Für mich war direkt klar: irreparable Schäden unausweichlich. Das will er nicht, so will er nicht leben.

Dann hieß es Tests abwarten, doch noch kein Besuch… Mittwochs konnte ich dann endlich zu ihm… Was ein furchtbarer Anblick. Ich bin durch meine Job ja schon was gewohnt, aber dann den Mann, den Mann 6,5 Jahre an der Seite hatte, so dort zu sehen. Heftig. Ich hab versucht mit Duft, meiner Stimme und den Stimmen der Kinder (durch Videos auf dem Handy) irgendeine Reaktion auszulösen – nichts… Da war mir schon klar wie es um ihn stand… Dann das bestätigende Gespräch mit den Ärzten.. Ich warf das Wort „Hirntod“ in den Raum, doch die Ärzte bestätigten es nicht, aber so wie es zu dem Zeitpunkt aussah, wäre er in einem Zustand wie in einem Wachkoma gewesen, wenn er es geschafft hätte… Ich war Donnerstag und Freitag wieder da. Freitag der nächste Schock. Dieses Mal hatte ich Begleitung von einem seiner guten Freunde, sein „Baby“. Sein Zustand hat sich massivst verschlechtert… Nächstes Gespräch mit den Ärzten. Er atmet nicht mehr alleine und sein Kreislauf muss durch Medikamente unterstützt werden, es sah ganz schlecht um ihn aus, keiner wusste wie lange er es noch schafft… Da griff der Arzt mein Wort wieder auf… Mittlerweile reden wir tatsächlich von einem Hirntod.

Wieder Familie und Freunde abtelefoniert…

Die meisten kamen direkt in die Klinik, hier nochmal ein Dank an die Uni, die es möglich gemacht hat, dass wir nochmal alle kommen durften und ich die ganze Zeit da sein durfte, trotz der Corona Situation.

Seine Familie und Freunde zu sehen wie sie das Zimmer betraten und bei allen fast die gleiche Reaktion mit anzusehen… Es war so heftig.

Spätabends hatte ich nochmals ein Gespräch mit dem Chefarzt, seine Mutter hatte es doch noch geschafft zu kommen und wollte nochmal alles genau erklärt bekommen. Wir haben dann besprochen, dass am nächsten Morgen die Maschinen runter gefahren werden. Ich hatte seit Montags die Betreuung in der Gesundheitsfürsorge für ihn, da ich genau wusste was er wollte und was nicht und wir ja immer noch verheiratet waren, trotz Trennung. Seine Oma & seine Mutter stimmten bei allem mit ein und bestätigten meine Meinung und seinen Willen.

Also Freitag nachts nach Hause, Samstag mit den Kindern gefrühstückt und wieder ins Krankenhaus, gegen 11 Uhr haben wir ihm dann die Unterstützung der Maschinen auf das Mindeste runter geschraubt, am 27.06.20 um 12:33 Uhr ist er eingeschlafen mit mir an seiner Seite, wie ich es ihm versprochen habe und es sich seine Familie gewünscht hat.

In der Zeit war mir auch egal was er alles gemacht hat, ich wollte einfach für ihn da sein und ihn nicht alleine lassen, das wollte er nie, alleine sein…

Unsere Kinder haben es erst später erfahren, beigesetzt wurde er erst Mitte Juli, da er obduziert wurde, darum hatten die Ärzte gebeten. Im Kreise seiner Familie & Freunden & Bekannten fand die Beisetzung in einem Ort statt in dem er sich wohl fühlte.

Die Kinder haben von mir „Papa-Kissen“ bekommen. Jede durfte sich ein Bild aussuchen auf dem sie mit dem Papa ist, sie wusste nicht warum, bis die Kissen bedruckt und geliefert wurden. Diese Kissen sind ganz wertvoll für sie.

Eine Freundin hat uns ein Buch empfohlen „Für immer“ heißt es. Ein wundervolles Buch in dem auch ein Papa stirbt. Ganz toll gemacht für kleine Kinder. Das Buch wurde jeden Abend vorgelesen. Ein neues Ritual begann. Jeder machte eine LED Kerze an und dann das Buch und dann wurde geschlafen. Sie erzählen immer mal wieder von ihm. Jedoch ist es schwer mit 3 & 5 zu verstehen was da passiert ist, wenn nicht mal ich es verstehe, da ich es mir medizinisch nicht erklären kann, nicht mal die erfahrenen Ärzte in der Uni konnten es…

Zu der Zeit hatte ich ganz viel Stütze von Freunden, Familie, Arbeitgeber, aber auch von einem tollen Kollegen. Vielen Dank dafür nochmal ihr Lieben. ♥️

Doch auch etwas Gutes ist in diesem Jahr passiert. Zum einen habe ich wie schon erwähnt einen neuen Job, den ich mit den Kindern viel besser vereinbaren kann und zum anderen habe ich seit dem Sommer wieder jemanden an meiner Seite. Eigentlich wollte ich ja gar niemandem und nur für mich und die MonsterMädels da sein.. Aber dieser Kerl krachte einfach in unser Leben und war plötzlich nicht mehr weg zu denken. Ich kenne ihn schon seit April, es ist nämlich genau der Arbeitskollege, der mir so eine Stütze war, aber es hat gedauert, bis er dann von jetzt auf gleich alles in mir verändert hat. Ich hätte mich wehren können, wäre umsonst gewesen. Mein Herz war plötzlich einfach hin und weg und er fühlte zum Glück genauso.

Bevor wir uns aber näher kamen, haben wir uns mit den Kindern mal verabredet und einen tollen Tag im Freizeitpark verbracht um zu schauen, wie die Kids reagieren und sie sich verstehen. Keine Ahnung wie er es geschafft hat, aber von dem Tag haben sie gefühlt nur noch von ihm geredet. Also stand fest, nicht nur ich, sondern auch die Kids wollen ihn wieder sehen..

Wir waren nochmal zusammen im Barfußpfad, wieder ein voller Erfolg. ?

Er fuhr dann erstmal in den Urlaub und als er zurück kam, besuchte er mich am selben Abend und seitdem sind wir zusammen.

Es fühlt sich so richtig an!

Er ist toll zu den Kindern und gibt ihnen Halt und Sicherheit. Die Kinder sagen ihm jeden Abend gute Nacht per Sprachmemo über mein Handy, wenn er nicht da ist und müssen ihm uuuuunbedingt noch ein paar Smileys schicken…

Mittlerweile planen wir unsere gemeinsame Zukunft.. Und wenn es nach den MonsterMädels geht bekommen wir noch mindestens 3 Kinder und einen ganze Horde an Tieren ?

Und ab und an erinnere ich mich daran was Dominik ganz oft sagte „irgendwann wird ein Mann in dein Leben kommen und der Mann & Papa sein, der ich nie war und nie sein werde“

Ich weiß nicht warum, aber er sagte es immer wieder… Vielleicht ahnte er doch was von seinem Schicksal… Er hatte wohl recht. Wir sind in unserem neuen Leben angekommen und starten einen Neuanfang. ♥️

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